So wird der Deich aussehen

Die Erhöhung und Instandsetzung des Cranzer und Neuenfelder Hauptdeiches ist eine planerische Herausforderung: Es gibt keine freie Fläche zwischen Deich, Straße und privaten bzw. (land-)wirtschaftlichen Flächen. Auf der Außenseite des Deiches liegt das FFH-Schutzgebiet „Mühlenberger Loch“ mit dem streng geschützten Tideauwald. Auf der anderen Seite befinden sich Wohnbebauung sowie landwirtschaftlich und wirtschaftlich genutzte Flächen. In der Entwurfsplanung ist die ReGe bemüht, das Naturschutzrecht zu wahren, gleichzeitig aber auch die Interessen und Bedürfnisse der betroffenen Eigentümer einzubinden.

Die Entwurfsplanung ist unter Beachtung der Vorgaben aus der Hamburger Deichordnung und den Hamburger Regelwerken erfolgt. Nach Abwägung aller Kriterien hat die ReGe in Abstimmung mit den zuständigen Behörden eine Vorzugsvariante ermittelt, die eine Ertüchtigung des Deiches auf der Binnenseite vorsieht. Das bedeutet, dass die heutige Deichgrundgrenze weiter in das Hinterland verlagert wird. Mit Blick auf die individuellen Betroffenheiten und die Interessen der Menschen vor Ort soll dieser Eingriff durch eine optimierte Planung sowie durch Sonderlösungen auf ein Mindestmaß reduziert werden. So wird an wenigen Engstellen mit Winkelstützwänden geplant, die eine Deicherhöhung bei gleichbleibender Deichgrundgrenze ermöglichen.

Die im Rahmen der Deichertüchtigung durchgeführte Grundsanierung und Anpassung des Straßenquerschnittes führt zudem zu einer Optimierung des motorisierten Individualverkehrs sowie einer fuß- und radverkehrsfreundlichen Umgestaltung.

Um den aktuellen Planungsstand verständlich darzustellen, haben wir die Entwurfspläne in sechs Einzelabschnitte eingeteilt und diese vergrößert dargestellt. So werden die Einzelheiten der Planung deutlich. Zudem zeigen zwei Querschnitte von Straße und Deich Sonderlösungen der Planung, die im Gebiet der Wohnbebauung am Cranzer Hauptdeich sowie im Bereich vom Siel- und Schöpfwerk Neuenfelde bis zum Südtor Airbus zur Anwendung kommen.

1. Wohnbebauung Cranz und Verkehrslösung Einmündung Cranzer Elbdeich

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse kann die Erhöhung hier nur mit einer Abfangung der Böschung in Form einer Winkelstützwand realisiert werden. So kann der Deich auf 9,10 Meter erhöht werden, die bestehende Bebauung bleibt jedoch unangetastet. Die Entwässerung des Deichkörpers erfolgt in diesem Bereich über unterirdische Entwässerungsleitungen.

Der neue gemeinsame Geh- und Radweg liegt südlich der Straße und ist 3,15 Meter breit. Im Anschlussbereich zu Niedersachsen verjüngt er sich auf etwa zwei Meter. Durch den Geh- und Radweg rückt die Straße gegenüber der heutigen Situation von der Wohnbebauung ab. Dies vereinfacht zudem die Einfahrt auf die angrenzenden Grundstücke.

Auf Höhe der Einmündung zum Cranzer Elbdeich wird der Fußgänger- und Radverkehr über eine Sprunginsel von Süden nach Norden über die Fahrbahnen geführt. Auf der Nordseite verläuft er dann über einen vier Meter breiten kombinierten Lagerstreifen mit Geh- und Radweg bis zum Sperrwerk Estemündung – gegenläufig und kreuzungsfrei.

Der Verkehrsknotenpunkt Cranzer Hauptdeich/Cranzer Elbdeich wird im Zuge der Maßnahme umgestaltet. Die Einmündung wird um etwa 90 Meter nach Osten verschoben. Abweichend zum Bestand werden die Zu- und Ausfahrt nicht separat, sondern als eine Einmündung hergestellt. Diese ist für die Begegnung zweier Gelenkbusse mit einer Länge von 19 Metern ausgelegt. Der Cranzer Elbdeich wird westlich der Einmündung auf einer Länge von circa 65 Metern als Stichstraße in einer Breite von fünf Metern hergestellt. Die Grundstücke Cranzer Elbdeich 38 und 39 werden weiterhin über den Cranzer Elbdeich erschlossen, die Zufahrt zu den Grundstücken Cranzer Elbdeich 41 und 43 erfolgt künftig über den Cranzer Hauptdeich. Am Ende der Stichstraße im Cranzer Elbdeich besteht die Möglichkeit für Pkw, in einem Wendehammer zu wenden.

Durch die Umgestaltung der Einmündung kann eine Reduzierung der Geschwindigkeit und der Verkehrsbelastung im Cranzer Elbdeich erreicht werden. Die Busse werden weiterhin durch den Cranzer Elbdeich fahren. In die Planung sind hier die Ideen aus der Arbeitsgruppe, die 2019 initiiert wurde, eingeflossen.

1a. Querschnitt Wohnbebauung Cranz

In diesem Abschnitt ist teilweise noch ein Vollkleideich vorzufinden – auf einer Länge von 280 Metern von der Landesgrenze zu Niedersachsen ausgehend. Hier wird auch die Beschaffenheit des Deiches angepasst. Der Vollkleideich wird durch einen Deich mit Sandkern und Kleiabdeckung ersetzt. Aus Deichen mit einem Sandkern kann – im Gegensatz zu Vollkleideichen – eindringendes Wasser gezielt abgeführt werden. Hierzu werden auch auf der gesamten Deichlänge die Deichdrainagen erneuert.

2. Kreisverkehr Estedeich

Derzeit befindet sich an dieser Stelle eine provisorische Fußgängerampel (Fußgänger-Lichtsignalanlage) und dahinter ein stationärer Geschwindigkeitsmesser. Die Entwurfsplanung sieht vor, die Geschwindigkeitsreduktion zukünftig durch einen dreiarmigen Kreisverkehr mit 32 Metern Durchmesser zu erreichen. Die Breite der Kreisfahrbahn beträgt 8 Meter und ist für die Befahrung durch Schwerverkehr geeignet. Für die Airbus-Transporte in Überbreite ist eine Sonderlösung vorgesehen: Zwischen dem Lagerstreifen und der Kreisbahn verbleibt eine nicht genutzte Breite von etwa 8 Metern. Dort wird ein 2,90 Meter breiter Weg in Betonpflastersteinen hergestellt. Dieser ermöglicht es, dass die Airbus-Transporte in Überbreite weiterhin auf gerader Strecke erfolgen können. Um die unerlaubte Befahrung dieses Weges auszuschließen, wird er im Bereich der Anschlüsse an den Cranzer Hauptdeich mit Steckpfosten abgesperrt. Der westlich des Estedeichs angrenzende Parkplatz bleibt erhalten und wird über eine Zufahrt von der Kreisbahn aus erschlossen. An allen Armen des Kreisverkehrs ist ein Fußgängerüberweg für den Fußgänger- und Radverkehr in einer Breite von 2,50 Metern vorgesehen.

3. Sperrwerk Estemündung Cranz

In diesem Abschnitt erfolgt der Anschluss an die Hochwasserschutzlinie des Sperrwerkes Estemündung. Die Straße verschwenkt hier auf die Deichkrone. Die Parkplätze in diesem Bereich bleiben erhalten.

4. Sperrwerk Estemündung Neuenfelde und Pella Sietas GmbH

Auch auf dieser Seite der Estemündung kommt es zum Anschluss an die Hochwasserschutzlinie des Sperrwerkes.

Die Zufahrt zum Parkplatz des Werftgeländes der Pella Sietas GmbH wird angepasst. Hier ist eine Abbiegespur geplant. Die Überfahrt zur Deichunterhaltung und -verteidigung kann als Zuwegung zu der sogenannten Slipanlage (Rampe für Boote) genutzt werden.

Die Zufahrt zur Flüchtlingsunterkunft soll zukünftig über eine parallele Straßenführung erfolgen.

5. Gewerbegebiet Neuenfelde 14

Hier wird die Zufahrt zum Gewerbegebiet Neuenfelde 14 über eine zusätzliche Linksabbiegerspur realisiert. Um die Straße zum Gewerbegebiet Neuenfelde 14 und zu den Wohnhäusern einfacher zu queren, ist eine sogenannte Sprunginsel vorgesehen, die die Straße für Fußgänger und Radfahrer in zwei Hälften teilt und das Queren somit sicherer macht.

6. Kreuzung Neuenfelder Damm bis Südtor Airbus

Zwischen den beiden Knotenpunkten Neuenfelder Hauptdeich/Neuenfelder Damm und Neuenfelder Hauptdeich/Am Rosengarten (Airbus-Tor Süd) ist eine dreistreifige Fahrbahn mit einer Fahrstreifenbreite von jeweils 3,25 Metern vorgesehen. Die Dreistreifigkeit beginnt westlich der Einmündung Neuenfelder Damm und endet im Bereich des Knotenpunktes Neuenfelder Hauptdeich/Am Rosengarten (Airbus-Tor Süd). Die Fahrtrichtung stadteinwärts ist mit zwei Fahrstreifen geplant, die entgegengesetzte Richtung mit einem Fahrstreifen. Lediglich im Bereich des Knotenpunktes Neuenfelder Hauptdeich/Neuenfelder Damm ist zusätzlich ein Linksabbieger, ausgehend vom Neuenfelder Hauptdeich in den Neuenfelder Damm, vorgesehen. Der Knotenpunkt Neuenfelder Hauptdeich/Neuenfelder Damm erhält eine Ampel (Lichtsignalanlage).

Die Fußgänger- und Radverkehrsführung erfolgt über eine Fußgängerfurt – also eine durch eine Markierung gekennzeichnete Fläche auf der Straße – westlich des Neuenfelder Damms sowie über den Neuenfelder Damm selbst. Die Dreistreifigkeit sowie die Ampel am Knotenpunkt Neuenfelder Damm/Neuenfelder Hauptdeich verbessern die verkehrliche Leistungsfähigkeit mit Auswirkung auf die ganze Strecke.

Der kombinierte Lagerstreifen/Geh- und Radweg im Begegnungsverkehr verläuft nördlich der Straße in einer Breite von 4 Metern. Lediglich im Bereich des Siel- und Schöpfwerkes wird der kombinierte Lagerstreifen und Geh- und Radweg auf einer Länge von rund 200 Metern auf 3,15 Meter eingeengt, um trotz der beschränkten Platzverhältnisse eine dreistreifige Fahrbahn realisieren zu können.

Zusätzlich reduziert in diesem Bereich eine Winkelstützwand den Flächenverbrauch.

6a. Querschnitt Fahrbahn dreistreifig