Der Cranzer und der Neuenfelder Hauptdeich müssen ertüchtigt werden, um sie an die aktuellen Anforderungen des öffentlichen Hochwasserschutzes in Hamburg anzupassen. Das Vorhaben teilt sich in drei wesentliche Arbeitsfelder auf:

01 Deicherhöhung und -instandsetzung

Auf einer Länge von 3,2 Kilometern soll der Deich auf 9 Meter über NHN (Normalhöhennull = Höhe über dem Meeresspiegel), im Anschluss an den Finkenwerder Hauptdeich West auf 9,40 Meter über NHN erhöht werden. Die Deichkrone wird zudem durchgängig auf 3 Meter verbreitert. Dabei soll der Deichbau möglichst nachhaltig sein. Das bedeutet, dass er auch in Zukunft weiter an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst und entsprechend nacherhöht werden kann.

Dies wird durch die sogenannte Erdbauweise erreicht, bei der die Erhöhung der Deichkrone gleichzeitig eine Verbreiterung des Deichkörpers zur Folge hat. Konstruktive Bauwerke wie z. B. Spundwände haben zwar den Vorteil, dass sie keinen zusätzlichen Platz benötigen. Allerdings schneiden sie in Sachen Deichverteidigung im Vergleich zum in Erdbauweise ertüchtigten Deich schlechter ab und sind sowohl in der Errichtung als auch in der Unterhaltung deutlich teurer. Deshalb sollten solche Sonderlösungen entsprechend der geltenden Regelwerke auch nur in Ausnahmefällen verwendet werden.

Für die Deichsicherheit ist es notwendig, Sickerwasser so schnell wie möglich vom Deichfuß wegzuleiten. Hierzu werden auf der gesamten Deichlänge die Deichdrainagen erneuert und das Entwässerungssystem optimiert.

02 Grundsanierung der Deichverteidigungs- und Hauptverkehrsstraße

Die Straße entlang des Deiches ist stark belastet, täglich fahren bis zu 24.000 Fahrzeuge über den Cranzer und Neuenfelder Hauptdeich. Durch die intensive Nutzung ist die Straße mit den Jahren sanierungsbedürftig geworden und muss im Zuge der Deichertüchtigung grundhaft erneuert werden. Die Fahrbahn wird orientiert am Hamburger Regelwerk für die Planung und den Entwurf von Stadtstraßen ausgebaut.

Der aktuelle Geh- und Radweg ist streckenweise sehr schmal und bietet nur wenig Sicherheit. Um Radfahrer/-innen und Fußgänger/-innen mehr Platz zu bieten, soll der Geh- und Radweg auf 4 Meter inkl. Schutzstreifen (bisher 2 Meter) verbreitert werden. So kann der Verkehr in beide Richtungen fließen. Damit können alle Verkehrsteilnehmer die Straße sicherer nutzen. Auch hoch belastete Knotenpunkte sollen optimiert werden, um den Verkehrsfluss auf der gesamten Strecke zu verbessern. Ziel der Maßnahmen ist es, die Leistungsfähigkeit der Straße zu steigern.

03 Erneuerung der Be- und Entwässerung

Der sogenannte Binnendeichgraben verläuft parallel zum Deich auf der landseitigen (südlichen) Seite. Er sammelt Regenwasser von den Deichflächen und der Straße sowie Sickerwasser aus dem Deich. Außerdem nimmt er teilweise das Wasser aus dem Hinterland auf. Im Zuge der Deicharbeiten wird der Graben in der Leistungsfähigkeit an die zukünftigen Bedarfe und durch eine Verlegung nach Süden an die neue Position des Deiches angepasst.

Der Deich braucht eine funktionierende Entwässerung, damit kein Wasser im Deichkörper stehen bleibt. Die alten Dränagen werden deshalb komplett erneuert. Das neue System sammelt das Sickerwasser am Deichfuß und leitet es über Rohre in den Binnendeichgraben ab. Etwa alle 200 Meter wird es dafür einen Entwässerungsschacht geben.

Die Obstbauern in Neuenfelde benötigen Wasser zur Frostschutzberegnung ihrer Kulturen. Dafür wurden bereits zwischen August 2024 und Sommer 2025 neue Pumpwerke und Leitungen gebaut. Dieses Bewässerungssystem versorgt zukünftig die Landwirtschaft bedarfsgerecht und unabhängig von der Deichentwässerung.

Das Siel- und Schöpfwerk reguliert den Wasserstand im Schleusenfleet und sorgt für sichere Verhältnisse im Hinterland. Um auch weiterhin die Sicherheit bei Sturmflut zu gewährleisten, werden hier wichtige Verschlüsse (Tore und Klappen) erneuert.